Philipp Wiermann
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Berufsunfähigkeits Versicherung | Was du vor dem Abschluss beachten musst

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Wenn es um das Thema Arbeitskraftabsicherung geht, kommst du an einer Berufsunfähigkeitsversicherung nicht vorbei. Für viele ist eine Berufsunfähigkeit schlicht nicht greifbar, weil wir sofort an Querschnittslähmung und Pflege denken. In der Realität sieht das Ganze jedoch anders aus. Bei den meisten Menschen, die eine Berufsunfähigkeit betrifft, kann der Alltag ganz normal gelebt werden. Wir möchten dir in unserem Beitrag erklären, wie überhaupt eine Berufsunfähigkeitsversicherung funktioniert , wie die gesetzliche Regelung ist und auf welche Punkte du unbedingt vor dem Abschluss achten solltest.

Wie ist die gesetzliche Lage in Deutschland geregelt?

In Deutschland hast du keinen gesetzlichen Anspruch auf eine staatliche Berufsunfähigkeitsrente, sondern lediglich auf eine Erwerbsminderungsrente. Was bedeutet das nun? Der Unterschied liegt in der Prüfung. Bei der gesetzlichen Erwerbsminderungsrente wird lediglich dein restliches Leistungsvermögen betrachtet und nicht deinen Beruf, den du ausübst. Um das etwas verständlicher zu erklären, lass uns dies anhand eines Beispiels erörtern.

Angenommen, du bist als Metallschlosser tätig  und arbeitest täglich mit Kupfer. Nach einigen Jahren bekommst du Hautausschläge und Allergien, die du im Laufe der Zeit gegen das Material entwickelt hast. Du kannst deinen Job dementsprechend nicht mehr ausüben. Nun würdest du bei der gesetzlichen Rentenversicherung den Antrag auf Erwerbsminderungsrente stellen. Hier wird jetzt aber festgestellt, dass du ja noch als Bürokaufmann uneingeschränkt arbeiten könntest. Dementsprechend wird die gesetzliche Erwerbsminderungsrente verwehrt. Dabei spielt es auch keine Rolle ob du für diesen Job qualifiziert bist oder ob eine freie Stelle bei dir in der Gegend verfügbar ist. Eine Umschulung müsstest du in diesem Falle auch in Kauf nehmen. Um aber überhaupt erst einmal Anspruch auf eine gesetzliche Erwerbsminderungsrente zu erhalten musst du mindestens 5 Jahre Wartezeit in der gesetzlichen Rentenversicherung rum haben und davon müssen auch 36 Monate Rentenversicherungsbeiträge gezahlt worden sein. Solltest du dann eine Erwerbsminderungsrente erhalten, wird hierbei nochmal zwischen der halben und vollen Erwerbsminderungsrente differenziert. Die Halbe würdest du bekommen, wenn du noch zwischen 3 und 6 Stunden täglich arbeiten kannst. Hier kannst du mit ca. 24% von deinem letzten Nettoeinkommen als Rente rechnen. Die volle Erwerbsminderungsrente steht dir zu, wenn du weniger als 3 Stunden am Tag arbeiten kannst. Die Leistung hieraus ist proportional. Das heißt dir stehen ca. 48% deines letzten Nettoeinkommens als Rente zu. In vielen Fällen reicht dies aber nicht zum Leben aus. Daher ist es wahrscheinlich, dass du zu den gesetzlichen Leistungen noch Grundsicherung beantragen musst.

Wie wird die private Berufsunfähigkeitsversicherung geprüft?

Bei deiner privaten Berufsunfähigkeitsversicherung läuft das ganze etwas anders ab. Hierbei wird nämlich dein derzeitig ausgeübter Job berücksichtigt. Es wird geprüft ob du deinen Job voraussichtlich für mindestens 6 Monate zu 50% nicht mehr ausüben kannst. Ist dies gegeben, kannst du deine Berufsunfähigkeitsrente beantragen. Wichtig dabei zu beachten ist aber, dass die auslösende Erkrankung nicht auf einen altersmäßigen Kräfteverfall zurück zu führen ist. Die Hauptursachen für eine Berufsunfähigkeit sind ursächlich auf psychische Erkrankungen zurück zu führen, gefolgt von Erkrankungen des Bewegungsapparats, Krebs, Herzkreislauferkrankungen und Unfälle. Dabei sind Unfälle in gerade mal 10% der Auslöser für eine Berufsunfähigkeit.

Wie hoch sollte die Absicherungshöhe sein?

Die Absicherungshöhe sollte mindestens so hoch gewählt sein, dass du deine monatlichen Verpflichtungen begleichen kannst. Beachte jedoch dabei, dass die meisten Versicherungsgesellschaften die versicherbare Leistung auf 80% deines Nettoeinkommens beschränken. Dieses solltest du auch in aller Regel absichern. Bitte komme auch nicht auf die Idee eine Absicherungshöhe unter 1000€ zu wählen. Warum? – Solltest du eine reine Berufsunfähigkeitsrente erhalten und keine zusätzliche Erwerbsminderungsrente, so wirst du mit dem Geld wahrscheinlich nicht auskommen und müsstest durch Grundsicherung aufstocken. Der Haken dabei ist, dass die private Berufsunfähigkeitsrente auf die Grundsicherung angerechnet wird und du somit dem Amt auch noch einen Gefallen tun würdest. Tritt der Fall ein, dass du eine Rente aus deiner Berufsunfähigkeitsrente und der gesetzlichen Erwerbsminderungsrente erhältst, werden diese nicht miteinander verrechnet. Du würdest in diesem Fall beide Renten gezahlt bekommen.

Wie lange sollte die Vertragslaufzeit meiner Berufsunfähigkeitsversicherung sein?

Grundsätzlich empfehlen wir dir, die Laufzeit an den gesetzlichen Regelrenteneintritt anzupassen. Das bedeutet, dass dein Versicherungsvertrag bis zum 67. Lebensjahr abgeschlossen werden sollte. Eine Ausnahme bilden hier Beamte, die schon vorher in Pension gehen dürfen. Hier sollte das Endalter einer Berufsunfähigkeitsversicherung (mit Baustein Dienstunfähigkeit) angepasst werden. Jetzt stellst du dir natürlich die Frage WARUM? – Ganz einfach. Dir fehlt sonst unheimlich viel Einkommen. Nehmen wir mal an, du hast 2000 Euro monatliche Rente bis zum 60. Lebensjahr versichert. Dann fehlen dir einfach mal bis zu deinem Regelrenteneintritt rund 144.000 Euro Einkommen, die du aus anderen Ersparnissen abfedern musst.

Muss ich bei der Antragsstellung ehrliche Angaben zu meiner Gesundheit machen?

Definitiv ja. Solltest du dem Versicherer eine Vorerkrankung verschweigen, kann der Versicherer in den ersten 10 Vertragsjahren von dem Versicherungsvertrag zurücktreten. Du würdest zwar deine Beiträge zurück erstattet kriegen, jedoch den wertvollen Versicherungsschutz verlieren. Des Weiteren kann der Versicherer natürlich Leistungen verweigern. Also achte immer darauf, dass deine Gesundheitsangaben ehrlich und präzise sind. Solltest du dir einmal nicht sicher sein, kontaktiere einfach deinen Arzt und lass dir einen Auszug aus deiner Krankenakte geben. Für Erkrankungen, die nach Abschluss deines Vertrages auftreten besteht keine Nachmeldepflicht.

Was bedeutet “Verzicht auf abstrakte Verweisung”?

Der Verzicht auf abstrakte Verweisung sollte unbedingt mit versichert werden. Das bedeutet einfach, dass der Versicherer nur deinen aktuell ausgeübten Beruf prüft und nicht versuchen wird, dich in einen fremden Beruf zu verweisen. In unserem obigen Beispiel des Metallschlossers kann dir nicht vorgeschrieben werden, dass du jetzt als Bürokaufmann weiter arbeiten musst.

Was bedeutet Prognosezeitraum?

Der Prognosezeitraum gibt an, wie lange du voraussichtlich an ein und derselben Krankheit erkrankt sein musst, um einen Anspruch auf Leistung aus deiner Berufsunfähigkeitsversicherung zu erhalten. Achte vor dem Abschluss unbedingt darauf, dass der Prognosezeitraum nicht länger als 6 Monate ist. Es gibt heute immer noch Versicherer, die in Ihren allgemeinen Versicherungsbedingungen einen 36 monatigen Prognosezeitraum vereinbart haben. Jedoch gibt es kaum Krankheiten, bei denen ein Arzt eine voraussichtliche Erkrankung von 36 Monaten attestiert. Somit würde auch keine Leistungspflicht durch den Versicherer eintreten. Noch zu beachten ist, dass deine Berufsunfähigkeitsversicherung frühestens nach dem 6. Monat die erste Leistung auszahlt. Dementsprechend solltest du den Zeitraum davor durch ein Krankentagegeld absichern, da die Lohnfortzahlung durch deine Krankenkasse nur ca. 70% deines letzten Nettoeinkommens entspricht.

So das war es auch erst einmal zu unserem heutigen Thema zur Berufsunfähigkeitsversicherung. Wir haben dir die Grundlagen aufgezeigt, auf die du unbedingt vor dem Abschluss einer privaten Berufsunfähigkeitsversicherung achten solltest. Wenn du noch auf der Suche nach einer guten Berufsunfähigkeitsversicherung bist und dich nicht durch dieses komplexe Thema alleine durcharbeiten möchtest, dann kannst du hier schauen ob wir noch freie Beratungstermine für dich haben.

Euer Philipp

Liebe Grüße