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Immer wieder liest oder hört man Aussagen wie „Riester, dass lohnt sich doch eh nicht!“ oder einfach nur „Also das möchte ich auf keinen Fall.“
Leider ist den wenigsten bekannt, wie ein Riestervertrag funktioniert. Der heutige Beitrag soll dir helfen diese Unsicherheiten zu beseitigen und zu erkennen, dass ein Riestervertrag für einige Kunden wirklich eine Chance und ein Segen sein kann. Denn nur wenn du die Fakten kennst, kannst du auch objektiv entscheiden, was dir besonders wichtig ist und welche Altersvorsorge zu dir passt.
Warum gibt es die Riester Rente überhaupt?
Die Riester Rente wurde im Zuge der Rentenreform im Jahr 2001 durch Walter Riester, Namensgeber und ehemaliger Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung, ins Leben gerufen. Die damalige Rentenreform sorgte für eine Absenkung des Rentenniveaus der gesetzlichen Rente. Um den Menschen einen Anreiz zu schaffen für Ihr Alter zusätzlich vorzusorgen, sollte Riester einen Lösungsansatz bieten. Denn schon damals war klar, dass die Renten im Alter nicht ausreichen würden, da der ursprüngliche Generationenvertrag nicht mehr darstellbar war. Es gab aufgrund der geringen Geburtenraten immer weniger Beitragszahler auf der einen Seite, die in das gesetzliche Rentensystem einzahlten. Auf der anderen Seite gab es immer mehr Rentner, die unter anderem aufgrund der guten medizinischen Versorgung eine immer höher werdende Lebenserwartung hatten und nun Anspruch auf Ihren wohlverdienten Ruhestand haben.
Muss ich denn überhaupt vorsorgen?
Du wirst sogar darauf hingewiesen, dass du selber für dich vorsorgen sollst. Auf jedem gesetzlichen Rentenbescheid, den du typischerweise spätestens ab dem 27.Lebensjahr erstmalig erhältst, steht unter dem Punkt “Zusätzlicher Vorsorgebedarf” geschrieben: „Da die Renten im Vergleich zu den Löhnen künftig geringer steigen werden und sich somit die spätere Lücke zwischen Rente und Erwerbseinkommen vergrößert, wird eine zusätzliche Absicherung für das Alter wichtiger („Vorsorgungslücke“). Bei der ergänzenden Altersvorsorge sollten sie- sowie bei Ihrer zu erwartenden Rente- den Kaufkraftverlust beachten.“
Staatliche Förderungen in welcher Form?
Die Riesterrente ist also eine durch den Staat geförderte Altersvorsorge. Der Staat gibt dir in zweierlei Hinsicht einen Vorteil.
Die erste Förderung erfolgt in Form von Zulagen, also eine festgelegte Summe, die zusätzlich zu deinen geleisteten Beiträgen in deinen Vertrag unter bestimmten Voraussetzungen hineinfließen.
Es gibt dabei folgende Zulagen, die Grundzulage, die jeder für sich in seinen Vertrag erstmal erhalten kann, dann noch Kinderzulagen, die du pro Kind jährlich in deinen Vertrag bekommst (solange auch ein Anspruch auf Kindergeld besteht). Zusätzlichen gibt es für junge Sparer, die mit Riester beginnen einen Berufseinsteiger Bonus, dieser wird jedoch nur einmalig ausgezahlt.
Kommen wir nun zu der zweiten Form der Förderung, hierbei handelt es sich um einen Steuervorteil, den du im Rahmen des Sonderausgabenabzuges in deiner Steuererklärung geltend machen kannst. Du kannst also auch noch Steuern sparen. Hierbei wird aber dann automatisch die Proportion zu den erhaltenen Zulagen und dem Steuervorteil ins Verhältnis gesetzt. Beachte dabei die Günstigerprüfung, worauf wir nochmal gesondert eingehen werden.
Auf welche Zulagen hast du also Anspruch?
- Grundzulage: 175 Euro p.a.
- Kind vor 2008 geboren: 185 Euro p.a.
- Kind nach 2008 geboren: 300 Euro p.a.
- Berufseinsteigerbonus: 200 Euro einmalig
Beachte, dass du nur solange Anspruch auf die Kinderzulagen pro Kind hast, wie du auch einen Anspruch auf Kindergeld hast.
Welche Voraussetzungen muss ich erfüllen?
Natürlich musst du, um die vollen Zulagen zu erhalten auch bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Um die vollen Zulagen zu erhalten musst du 4% deines Vorjahresbruttoeinkommens mindestens in deinen Vertrag einzahlen.
Hier zwei wichtige Rechenbeispiele.
Damit das etwas einfacher wird, habe ich dir hier mal zwei Bespiele.
1. Beispiel: Ella, 35 Jahre, Vorjahresbruttoeinkommen 22.000€, Ella hat eine Tochter (nach 2008 geboren)
22.000€ x 4% =880€
Von den 880€ können wir nun die Zulagen abziehen, die Ella zustehen. In dem Beispiel also die Grundzulage von 175€ und die Kinderzulage in Höhe von 300€.
880€ -175€ -300€ =405€
Ella muss also 405€ jährlich in Ihren Vertrag zahlen, um die volle Zulage zu erhalten bzw.
405€ : 12 Monaten = 33,75€ monatlich.
Sie zahlt also 405€ pro Jahr und erhältst zusätzlich 475€ jährlich in ihren Vertrag.
2. Beispiel: Nehmen wir erneut Ella, die jetzt aber drei Kinder hat. Ein Kind nach 2008 geboren und zwei weitere Kinder , die vor 2008 geboren sind.
22.000€ x 4% =880€
880€ -175€ -300€ -185 -185€ = 35€ pro Jahr
35€ : 12 Monate = 2,92€ monatlich ! Achtung hier !
Bei diesem Beispiel müsste Ella jetzt 5€ monatlich zahlen, also 60€ pro Jahr und würde noch zusätzlich 845€ vom Staat bekommen.
Mindestbeitrag und Maximalbeitrag.
Der Mindestbeitrag liegt also, wie im Rechenbeispiel bereits erwähnt bei 60€ jährlich. Dieser wird auch Sockelbeitrag genannt. Wo es einen Mindestbeitrag gibt, existiert auch ein Maximalbeitrag. Dieser liegt bei 2100€ pro Jahr inkl. der Zulagen. Es gibt auch Anbieter, die dir ermöglichen über den Maximalbeitrag hinaus zu bezahlen. Beachte aber, dass der Betrag, der über 2100 Euro hinausgeht gesondert steuerlich betrachtet wird. Diese Summe wird dann wie eine private Altersvorsorge in der Auszahlungsphase besteuert und du erhältst auf den Betrag dann natürlich auch keinen Steuervorteil mehr in der Ansparphase.
Welche Vorteile stehen im Fokus?
- Du erhältst in deinen Vertrag jährlich Geld durch Zulagen und hast einen steuerlichen Vorteil in der Ansparphase
- Die Riesterrente ist ein 100% Garantieprodukt, das bedeutet alle gezahlten Beiträge inkl . der geflossenen Zulagen sind am Vertragsende garantiert
- Du erhältst eine lebenslange monatliche Rente, egal wie alt du wirst
- Der Vertrag ist Hartz IV-, Pfändungs- und Insolvenzgeschützt. Somit kann auch in Krisenzeiten keiner an dein Geld ran. Deine geplante Rente ist daher sicher. Du darfst pro Vertragsjahr 2100€ inkl. Zulagen in deinem Vertrag haben.
- Hinterbliebenenschutz ist möglich (siehe hier auch noch den Abschnitte Todesfall in Ansparphase und Auszahlungsphase)
- Seit 2018 nur noch teilweise Anrechnung auf die Grundsicherung. (Freibetrag liegt bei 100€ zuzüglich 30% des übersteigenden Betrages), maximal 220€ monatlich.
Beispiel Anrechnung auf Grundsicherung.
Opa Helmut hat Anspruch aus seiner Riesterrente von 160€ monatlich. Er muss aber leider noch zusätzlich Grundsicherung beantragen.
Somit bleibt ihm erstmal ein Freibetrag von 100€ monatlich und von den übersteigenden 60€ darf er 30%, also 18€ ohne Anrechnung erhalten. Es werden also 118€/monatlich nicht auf die Grundsicherung angerechnet.
Die teilweise Anrechenbarkeit ist erst seit 2018 so geregelt. Davor wurde die Riester Rente voll gegen die Grundsicherung gegen gerechnet, weswegen die Riester extrem in der Kritik stand. Denn eigentlich sollte Sie uns helfen unsere Rente aufzubauen. Seit 2018 ist das aber zum Glück neu geregelt wurden.
Welche Nachteile stehen im Fokus?
- Volle Besteuerung im Alter mit deinem individuellen Steuersatz (der sich anhand deiner Einkünfte ermittelt). Hier sollte eine individuelle Betrachtung erfolgen. Zu den Grundlagen der Besteuerung folgt auch ein Teil 2.
- Keine förderunschädliche Teilauszahlung in der Ansparphase möglich (solltest du aus deinem Vertrag mal Geld benötigen, würden die deine Zulagen und Steuervorteile entfallen.) Außnahme hierbei ist Wohnriester, wo die Auszahlung förderunschädlich möglich ist, jedoch nur zu wohnwirtschaftlichen Zwecken- dabei ist aber einiges zu beachten.
- Bei Kündigung fallen Zulagen weg, du solltest deinen Vertrag also ggf. lieber ruhend oder beitragsfrei stellen.
- Bei Renteneintritt nur eine maximale Einmalauszahlung von 30% des Kapitals möglich
- Wenn dein Wohnsitz in der Rente außerhalb der EU sein sollte, dann entfallen die Zulagen und die Steuervorteile (diese werden dann mit der Rentenauszahlung später verrechnet mit einem Abzug von 15%).
Dein Riestervertrag muss zertifiziert sein.
Dein Riestervertrag muss bestimmte Kriterien erfüllen, um auch zertifiziert zu sein. Die Anbieter müssen diese Zertifizierung anhand einer Zertifizierungsnummer ausweisen. Für dich ist wichtig zu beachten, dass nur zertifizierte Verträge auch Zulagen erhalten können.
Was sind das für Zertifizierungsvorraussetzungen:
In der Ansparphase:
- Der Vertrag muss eine lebenslange und unabhängig vom Geschlecht berechnete Leistung erbringen. Frühestmöglicher Beginn der Rentenzahlung ist das 62. Lebensjahr (für Vertragsabschlüsse vor 2010 darf diese schon ab dem 60. Lebensjahr erfolgen)
- Es muss die Möglichkeit bestehen einen ergänzenden Schutz für besondere Situationen (verminderte Erwerbsfähigkeit oder Dienstunfähigkeit) und auch die zusätzliche Absicherung Hinterbliebener vereinbart werden. Der Beitrag darf in der Regel maximal 20% der Gesamtsparleistung betragen.
- Anfallende Abschluss- und Vertriebskosten müssen auf mindestens fünf Jahre gleichmäßig verteilt werden.
- Es muss die Möglichkeit bestehen:
- Den Vertrag ruhend zu lassen.
- Den Vertrag mit einer Frist von 3 Monaten zu Ende eines Kalendervierteljahres zu kündigen und das gebildete Kapital auf den selben Namen laufenden Altersvorsorgevertrag zu übertragen oder das Kapital für wohnwirtschaftliche einer selbstgenutzten Immobilie zu verlangen.
In der Auszahlungsphase:
- Zu Beginn der Auszahlungsphase müssen mindestens die eingezahlten Beiträge aus Eigenbeiträgen und Zulagen für die Verrentung zur Verfügung stehen.
- Die Auszahlung muss in Form einer lebenslangen Rente erfolgen.
- Die Auszahlung muss spätestens ab dem 85. Lebensjahr erfolgen.
- Die garantierten Leistungen müssen in der gesamten Auszahlungsphase gleich bleiben oder steigen.
- Bis zu 30% des Kapitals, das zu Beginn der Auszahlungsphase zur Verfügung steht, kann förderunschädlich einmalig ausgezahlt werden
Unmittelbar und mittelbar Förderfähige Personenkreise!
Nicht jeder kann Riestern, es gibt Personengruppen, die nicht zu den förderfähigen Kreisen gehören. Bei den förderfähigen Gruppen unterscheidet man zwischen mittelbar und unmittelbar förderfähigen Personen. Unmittelbar sind typische Berufe, die auch sozialversicherungspflichtig sind. Eine detaillierte Aufstellung findest du unten.
Mittelbar förderfähig bedeutet unter bestimmten Voraussetzungen. Du musst also konkret mit einer unmittelbar förderfähigen Person verheiratet sein und natürlich mit diesem auch zusammenleben, damit du als nicht förderfähige Person Anspruch auf Zulage hast. Dafür musst du dann unabhängig von deinem Einkommen den Sockelbeitrag einzahlen. Wie hoch deine Förderung dann ist, hängt davon ab, ob dein Partner die vollen 4% von seinem Vorjahresbruttos einzahlt.
Hier die unmittelbar förderfähigen Personenkreise:
- Rentenversicherungspflichtiger Arbeitnehmer
- Rentenversicherungspflichtiger Selbstständige oder über Künstlersozialkassen Versicherte
- Pflichtversicherte Landwirte
- Bezieher Arbeitslosengeld
- Bezieher von Krankengeld
- ALG-II-Empfänger
- Geringfügig Beschäftigte, die Rentenversicherungsbeiträge abführen
- Nicht Erwerbstätige Pflegepersonen (Pflege von Angehörigen)
- Wehr- und Zivildienstleistende
- Soldaten, Beamte und Richter (sowie gleichgestellte Berufsgruppen)
- Kindererziehende (nachdem sie die Kindererziehungszeiten beantragt haben)
- Vollständig Erwerbsgeminderte oder Dienstunfähige
- Amtsträger
Abschließend ist zu sagen, dass sich Riester als sehr effektiv gestaltet, wenn du eine hohe Zulagenquote erfüllst, weil du beispielsweise mehrere Kinder hast. Auch für sehr sicherheitsorientierte Sparer könnte Riester eine gute Alternative darstellen. Beachte bitte, dass aufgrund der hohen Garantie, die für den typischen Sparer erstmal als sehr lokrativ erscheint, der Vertrag nur eingeschränkt arbeiten kann, weil nicht so viel deiner Beiträge in Fondsanlagen investiert werden kann. Achte also beim Abschluss auf eine möglichst hohe Fondsquote in deinem Vertrag.
So das war es auch erst einmal zu unserem heutigen Thema zur Riester Rente. Wir haben dir die Grundlagen aufgezeigt, auf die du unbedingt vor dem Abschluss einer solchen achten solltest. Wenn du noch auf der Suche nach einem passenden Riestervertrag bist oder einfach überprüfen möchtest ob du für dich das richtige Produkt gewählt hast, dann kannst du gerne von uns kostenfrei beraten lassen.
Liebe Grüße
Eure Christiane



